Freitag, 14. Juli 2017

Rezension zu "Ghettokids - Immer da sein wo's weh tut"

Autor: Susanne Korbmacher
Erscheinungsdatum: 01.05.2009
Verlag: Piper
ISBN: 9783492248020

Preis: 7,95€

Bewertung: ★★★★★

Vorneweg: Dieses Buch ist keine Neuerscheinung, aber wie bereits angekündigt werde ich euch hin und wieder auch ein paar ältere Schätze vorstellen, die es auf jeden Fall wert sind gelesen zu werden, auch wenn sie schon ein paar mehr Jahre auf dem Buchrücken haben 😊
Und dieses Buch ist wirklich eine Herzensangelegenheit, denn ich verbinde damit sehr viel persönliches aus meiner Kindheit. 
Solltet ihr also die Chance bekommen einen Blick hinein zu werfen, tut es - ihr werdet es nicht bereuen! 

Am Rande des scheinbar perfekten Münchens gibt es Bezirke, die von den Behörden und Verantwortlichen angeblich nicht existieren: Ghettos. Soziale Brennpunkte, in denen die Kinder und Jugendlichen inmitten von Gewalt, Drogen und Prostitution aufwachsen und die dem Teufelskreis nur schwer entkommen. 



Das Cover hätte mich wahrscheinlich so erstmal im Laden gar nicht angesprochen...das wäre mir wohl zu real. 
Liest man aber das Buch, passt es wie die Faust aufs Auge.

Dieses Buch liegt mir besonders am Herzen, denn es spielt im Münchner Norden: dem Hasenbergl und Moosach - zwei Bezirke in denen auch ich groß geworden bin. 
Wenn ich jemandem von den Zuständen erzählt habe, die dort oft herrschen, wurde ich oft belächelt und mit dem Satz zum Schweigen gebracht: "In Deutschland gibt es keine Ghettos." 
Ich habe mich dann oft gefragt, ob ich mir das vielleicht nur eingebildet habe, oder die Wahrheit ein wenig überspitzt darstelle, aber nach diesem Buch weiß ich, dass ich mich nie getäuscht habe. Ghettos existieren, auch wenn die Stadtverwaltung deren Existenz lieber unter den Tisch fegen würde. 
Das Buch beschäftigt sich mit den Schicksalen verschiedener Jugendlicher, die im Hasenbergl und in Moosach aufwachsen und die die Kinder selbst aufgeschrieben haben. 
Dadurch, dass ich viele Schicksale persönlich über Bekannte oder Geschichten aus dem Bezirk miterlebt habe, waren sie für mich keine große Überraschung, aber dennoch schwer zu lesen, denn es sind keine Geschichten, die sechzehnjährige Jugendliche erzählen sollten. 
Ich fand es von Susanne Korbmacher außerdem sehr mutig auch ihre eigene Geschichte aufzuschreiben, die ja auch nicht ohne ist. 
Am Anfang fand ich es ein wenig gewöhnungsbedürftig, vor allem, weil Konversationen sich nicht vom Fließtext unterscheiden und man anfangs nie so ganz weiß wer was zum wem sagt, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.
Mich hat das Buch voll und ganz eingenommen: Ich konnte die Wege nachverfolgen, ich hatte die Plattenbauten und die dunklen Straßen vor Augen. Und die vielen Kinder an den Bushaltestellen und vor den Supermärkten, denen man häufig keinen zweiten Blick schenkt, die aber wahrscheinlich ähnliche Schicksale teilen, wie die Jugendlichen in diesem Buch. 
Ich denke zur Zeit der Veröffentlichung waren viele Offizielle noch nicht bereit sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, aber für den Verein von Susanne Korbmacher hat sich sicherlich einiges ins Positive verändert. 
Ich hoffe, dass es solche Bücher in Zukunft häufiger schaffen den Leuten die Augen zu öffnen, um Kindern ohne Perspektive aus ihrem Teufelskreis zu holen und ihnen Hoffnung zu schenken! 

Fazit: 
Das Buch ist mit Sicherheit kein literarisches Meisterwerk, aber so echt und unverfälscht, dass es einem wirklich unter die Haut geht und auch noch lange danach beschäftigt!



München Nord- Hasenbergl (Lerchenauer See) 

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